Die kurze Antwort
GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert alles, was mit einem Textil geschieht, nachdem die Bio-Faser den landwirtschaftlichen Betrieb verlassen hat: Verarbeitung, Herstellung und Handel – geprüft anhand strenger ökologischer und sozialer Kriterien und durch unabhängige Audits in jeder Phase der Lieferkette verifiziert. Es bescheinigt nicht, dass die Faser selbst biologisch angebaut wurde – dafür gibt es eine separate Zertifizierung für den ökologischen Landbau (wie die EU-Bio-Verordnung), die GOTS als Voraussetzung verlangt, bevor seine eigenen Kriterien überhaupt zur Anwendung kommen.
Was GOTS eigentlich ist
GOTS wird von Global Standard verwaltet, einer gemeinnützigen Organisation – also keiner staatlichen Stelle und auch keiner einzelnen Marke. Es ist die weltweit am häufigsten verwendete Zertifizierung für Bio-Textilien und existiert gerade deshalb, weil „Bio“ auf einem Kleidungsetikett früher fast nichts Verbindliches bedeutete: Eine Marke konnte Bio-Fasern verwenden und diese trotzdem mit Chlor bleichen, mit krebserregenden Farbstoffen färben oder in einer Fabrik ohne Sicherheitsstandards vernähen lassen – und das fertige Produkt trotzdem als „Bio“ bezeichnen.
GOTS schließt diese Lücke, indem es die gesamte Verarbeitungskette zertifiziert, nicht nur den Rohstoff.
Welchen Teil der Lieferkette deckt GOTS ab?
GOTS setzt dort an, wo der ökologische Landbau endet. Sobald die Bio-Fasern den Betrieb verlassen, muss jedes Unternehmen, das sie verarbeitet oder zu Produkten verarbeitet – ob Entkörnung, Spinnen, Stricken oder Weben, Färben und andere Nassverarbeitungen sowie die Konfektion –, über eine eigene GOTS-Zertifizierung verfügen, und zwar bis hin zum fertigen, gekennzeichneten Produkt. Eine Fabrik kann nicht „größtenteils GOTS-zertifiziert“ sein oder einen Schritt in ihrer eigenen Produktion ausklammern.
Was das in der Praxis bedeutet:
Der Anbau der Fasern wird durch eine separate Zertifizierung für den ökologischen Landbau abgedeckt (z. B. gemäß der EU-Bio-Verordnung), nicht durch GOTS selbst.
Alles von der Faserverarbeitung bis zum fertigen, etikettierten Kleidungsstück fällt direkt unter GOTS, wobei ein Transaktionszertifikat die Waren in jedem Schritt nachverfolgt.
Deshalb ist die korrekte Beschreibung eines Produkts auch „Dieses Produkt ist GOTS-zertifiziert“ – und nicht „GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle“ oder „GOTS-Baumwolle“. GOTS zertifiziert die Verarbeitung; der Anteil an Bio-Fasern ist ein separater, spezifischer Wert, der gesondert angegeben wird (z. B. „hergestellt aus mindestens 95 % Bio-Baumwolle“).
Nicht jedes Produkt von Organic Basics ist GOTS-zertifiziert. Wenn ein Produkt zertifiziert ist, wird es separat vom Rest unseres Sortiments gekennzeichnet. Es lohnt sich also, die jeweilige Produktseite oder das Etikett zu überprüfen, anstatt davon auszugehen, dass die Zertifizierung für das gesamte Unternehmen gilt. Organic Basics ist unter der Zertifizierungsnummer GOTS-20447 von Control Union GOTS-zertifiziert.
Die beiden Kennzeichnungsstufen und was die Prozentangaben bedeuten
GOTS erlaubt nur zwei Kennzeichnungsstufen auf dem Produkt, basierend auf dem nachgewiesenen Anteil an zertifizierten Bio-Fasern im Produkt (accessoires werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt):
„Bio“ – mindestens 95 % zertifizierte Bio-Fasern. (Hinweis: „100 % Bio“ ist keine gültige GOTS-Kennzeichnung, selbst bei einem Anteil von 100 % – die Standardkennzeichnung lautet einfach „Bio“.)
„Hergestellt aus (x %) Bio-Materialien“ – mindestens 70 % und weniger als 95 % zertifizierte Bio-Fasern, wobei der genaue Prozentsatz angegeben wird.
Bei weniger als 70 % zertifizierten Bio-Fasern kommt ein Produkt überhaupt nicht für eine GOTS-Zertifizierung oder -Kennzeichnung in Frage.
Was muss passieren, damit ein Produkt das GOTS-Label erhält?
Die GOTS-Zertifizierung basiert auf zwei getrennten Kriterienkatalogen, und ein Produkt muss beide erfüllen – es reicht nicht aus, einfach nur ein Häkchen bei „Bio-Fasern“ zu setzen.
Umwelt- und chemische Kriterien. GOTS verbietet in jeder Verarbeitungsstufe eine definierte Liste chemischer Stoffe gänzlich: Azofarbstoffe, die krebserregende Amine freisetzen, Chlorbleiche (nur Bleichmittel auf Sauerstoffbasis sind erlaubt), gentechnisch veränderte Organismen und deren Enzyme, Formaldehyd, allergene (hautsensibilisierende) Farbstoffe, Flammschutzmittel und PFAS – sowie aromatische Lösungsmittel im Ausfärbedruck und Phthalate oder PVC im Plastisol-Druck. Schwermetalle werden anders behandelt: Anstelle eines vollständigen Verbots legt GOTS strenge Rückstandsgrenzwerte fest, da es selten möglich ist, Spuren aus der Umgebung vollständig auszuschließen. Accessoires (Besätze, Reißverschlüsse und Ähnliches) dürfen kein PVC, Nickel oder Chrom enthalten, und auch Verpackungen dürfen kein PVC enthalten; Verpackungen aus Papier oder Pappe, Anhängeetiketten und Schwingetiketten müssen recycelt oder FSC-/PEFC-zertifiziert sein. Zusätzlich zu den chemischen Vorschriften gelten für zertifizierte Betriebe Anforderungen in Bezug auf Abwasserbehandlung, Ressourceneffizienz und das Management von Treibhausgasemissionen.
Soziale Kriterien, basierend auf den Core-Übereinkommen der ILO. Zertifizierte Betriebe müssen Kinderarbeit und Zwangsarbeit in jeglicher Form verbieten; die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen schützen; eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Diskriminierung, Belästigung und geschlechtsspezifischer Gewalt verfolgen; und ordnungsgemäße Arbeitsschutzsysteme betreiben, einschließlich Brandschutz und Risikobewertungen. Zu Löhnen und Arbeitszeiten: Die Löhne müssen dem gesetzlichen Mindestlohn oder dem Branchen-Benchmark entsprechen, wobei der höhere Wert maßgeblich ist; die Betriebe müssen die Lücke zum existenzsichernden Lohn berechnen und darauf hinarbeiten, diese zu schließen; Die Standardarbeitszeit ist auf 8 Stunden pro Tag und 48 Stunden pro Woche begrenzt, Überstunden sind auf 12 Stunden pro Woche begrenzt und müssen freiwillig sein, dazu gibt es wöchentlich garantierte 24 aufeinanderfolgende Stunden Ruhezeit. Heimarbeiter und Wanderarbeiter erhalten spezifische zusätzliche Schutzmaßnahmen.
Wie es tatsächlich überprüft wird – und nicht nur behauptet
Das ist der Punkt, der GOTS von einer Marke unterscheidet, die einfach nur eine Behauptung auf ein Etikett druckt. Die Zertifizierung erfordert:
Eine unabhängige Zertifizierung durch eine zugelassene Zertifizierungsstelle (nicht durch GOTS selbst und nicht durch die Marke).
Jährliche Audits aller zertifizierten Betriebe in der Lieferkette.
Transaktionszertifikate – ein Dokument, das bei jeder Weitergabe zertifizierter Waren zwischen zertifizierten Stellen erstellt wird, damit die Produktkette bis zur Quelle zurückverfolgt werden kann.
Physische Trennung statt „Massenbilanz“-Abrechnung – zertifiziertes und nicht zertifiziertes Material muss während der gesamten Verarbeitung physisch getrennt gehalten werden, nicht nur auf dem Papier ausgeglichen.
Common questions
Does GOTS certify organic farming? | No. GOTS certifies what happens to the fiber after it leaves the farm — processing, manufacturing and trading. The organic farming itself is certified separately (for example, under the EU Organic Regulation), and GOTS requires that certification as a starting condition. |
What's the difference between “Organic” and “Made with x% organic materials” on a GOTS label? | “Organic” means at least 95% certified organic fiber content. “Made with (x%) organic materials” means at least 70% and under 95%, with the exact percentage stated on the label. Below 70%, a product isn't eligible for GOTS certification or labeling at all. |
What chemicals does GOTS actually ban? | Outright: azo dyes that release carcinogenic amines, chlorine bleaching, genetically modified organisms and their enzymes, formaldehyde, allergenic (skin-sensitizing) dyes, flame retardants, and PFAS. Heavy metals are handled differently — not an outright ban, but a strict residue limit value, since zero trace amounts from the surrounding environment can rarely be guaranteed. Restrictions also apply to packaging materials (no PVC) and accessories like trims and zips (no PVC, nickel or chrome). |
Does GOTS cover factory working conditions and wages? | Yes. GOTS's social criteria, based on core ILO conventions, cover child and forced labor, freedom of association, discrimination and harassment, health and safety, working hours, and wages — including a requirement to calculate and work toward closing the gap to a living wage. |
Can a brand just self-certify as GOTS? | No. GOTS certification requires independent third-party audits by an Approved Certification Body, done annually, plus a Transaction Certificate at every point certified goods change hands. A brand or facility cannot award itself the certification. |
Does “GOTS-certified” mean the whole brand is certified? | A brand does need to hold its own GOTS certification to sell certified goods at all. What that certification doesn't do is extend automatically to everything else the brand makes — it applies to specific certified products, not the brand's whole range in one blanket claim. Not every Organic Basics product is GOTS-certified; the ones that are carry the GOTS label separately. Organic Basics is GOTS-certified under certification number GOTS-20447, certified by Control Union. |
Quellen: Global Standard, GOTS-Bedingungen für die Verwendung von Kennzeichnungen (v4.0) und die GOTS-Standardtexte 7.0/8.0; EU-Verordnung (EG) Nr. 834/2007 über die ökologische/biologische Produktion.